Resiliente Organisationen - 3 Dinge, die wir von ihnen lernen können

Christine | VISION SESSION | Die Vision führt uns an! - Der Podcast für visionäre Team- und Organisationsentwicklung


Resiliente Organisationen - 3 Dinge, die wir von ihnen lernen können

 

Ja, es gibt sie. Diese starken Unternehmen, Betriebe und Einrichtungen. Die sogenannten resilienten Organisationen, die auch in Zeiten von Krise stark bleiben. Auch wenn sie sicherlich hin und wieder mit Talfahrten zu kämpfen haben. Da kann schon mal die Frage entstehen: "Was macht diese Organisationen eigentlich so stark?" Und: "Was können wir von diesen Organisationen möglicherweise auch lernen?" 

 

Ich mag dir heute von 3 Dingen berichten, an denen sich resiliente Organisationen erkennen lassen. Und genau diese 3 Dinge bieten nicht nur wertvolle Hinweise für die Team- und Organisationsentwicklung. Nein, sie bieten auch wertvolle Impulse für unser eigenes Coaching-Business. In diesem Sinne gibt es heute wieder einmal konkrete Anregungen für dich. Damit auch du stark durch Krisen kommen kannst. 

 

 


Was sind resiliente Organisationen?

Derzeit könnte nichts wichtiger sein, als der Fokus auf das, was uns stark macht. Und gerade bei diesen Gedanken sind mir die resilienten Organisationen eingefallen. Diese Organisationen sind in der Lage, mit all ihren Fähigkeiten und Kompetenzen, Krisen gut zu überstehen. Auch für uns Berater*innen, Coach*innen und Trainer*innen haben diese Organisationen so einige Anregungen zu bieten. 

 

Die resilienten Organisationen sind thematisch schon lange Zeit persönlich mit mir verbunden. Viele Jahre lang habe ich mich mit dem Thema der organisationalen Resilienz beschäftigt. Mit der sogenannten Widerstandskraft von Teams und Organisationen. Ich habe dazu damals als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer Universität in Nordrhein-Westfalen geforscht und massenhaft internationale und wissenschaftliche Literatur gelesen. Ich mag mir hier also Mühe geben, die wichtigsten Erkenntnisse grob zusammenzufassen und dabei auch eine Brücke zu uns und unserem Business zu schlagen. In der Podcastfolge erzähle ich dir außerdem davon, wie ich die Erkenntnisse aus der Wissenschaft für mich und mein Business in Krisenzeiten nutze. Du erhältst in der Folge also einen Einblick, in meinen persönlichen Businessalltag. 

 

Weiterführende Literatur zu dem Thema findest du zum Ende des Blogbeitrages. Bevor wir hier aber nun loslegen, lass uns zuerst einmal festhalten, was resiliente Organisationen eigentlich sind. Was sagt denn wie Wissenschaft dazu?

 

Resilienten Organisationen wird nachgesagt, besonders adaptiv zu sein (vgl. u.a. Reinmoeller/van Baardwijk 2005; Sutcliffe/Vogus 2003). Das heißt, sie passen sich adäquat Umwelteinflüssen an, denen sie ausgesetzt sind. Damit sichern sie sich ihr Fortbestehen. Bestehen und Verändern sind hier die zentralen Schlüsselbegriffe. Diese Unternehmen bleiben also bestehen, indem sie sich verändern und anpassen. Und wie ihnen das gelingt, schauen wir uns jetzt einmal genauer an.

 

1. Starke Kooperationspartner

Ein erster Faktor, der bei resilienten Organisationen heraussticht, sind die starken Kooperationspartner (vgl. Reinmoeller/van Baardwijk 2005). Vor allem in Zeiten von Krise benötigen Unternehmen wichtige Ressourcen. Und was könnte eine geeignete Ressource sein, auf die Unternehmen in Zeiten von Krise zurückgreifen?

 

Die Wissenschaftler, die diese starken Unternehmen untersuchten, dachten zuerst, Geld sie die wichtigste Ressource für Unternehmen. Also finanzielle Rücklagen. Ausgangspunkt war die Idee, dass Unternehmen in Krise bestehen können, wenn sie finanzielle Rücklagen gebildet haben. Doch die Untersuchungen zeigten dann, dass finanzielle Rücklagen nicht der ausschlaggebende Faktor waren. Sicherlich sind diese Rücklagen für Unternehmen vorteilhaft. Keine Frage! Allerdings zeigten die Forschungsergebnisse, dass Unternehmen Probleme bekamen, wenn sie sich zu sehr auf die Ressource Geld fokussierten. (Vgl. Gittel et al. 2006) Viel wichtiger war ihre Bereitschaft Kooperationen einzugehen.

 

Resiliente Organisationen sind über die eigenen Unternehmensgrenzen hinweg mit anderen verbunden. Sie haben starke Partner. Und genau an diesem Punkt wird deutlich, dass diese Stärke auch an gelebte Haltungen und Werte geknüpft ist. Denn war verbirgt sich hinter dieser Haltung der Kooperation? Die Mitarbeitenden resilienter Organisationen denken nicht so sehr in Konkurrenz. Sie verbünden sich absichtlich mit anderen Unternehmen - sehr häufig auch aus der gleichen Branche. Sie konkurrieren nicht, sie kollaborieren. 

 

Das entscheidende dabei ist: Die Ressourcen eines Unternehmens sind dadurch nicht mehr nur in der Organisation zu finden, also in ihrem Inneren. Sondern sie befinden sich ebenso außerhalb der eigenen Systemgrenzen. Und genau das ist besonders wertvoll.

 

Einen kleinen Stolperstein gibt es jedoch bei diesem Vorgehen: Es funktioniert nur, wenn die Kooperationspartner bereit sind, eine Ressource für andere zu sein. Es braucht damit von allen Seiten die Bereitschaft zu geben! Das Geben steht im Vordergrund. Das macht die starke Partnerschaft aus. Wer nur kooperiert um zu erhalten oder mit Partnern kooperiert, die nur erhalten wollen, der wird sich nicht stärken können. Und auch hierbei schauen die resilienten Organisationen ganz strategisch auf ihre Kooperationspartner. Sie wissen sehr häufig, was sie selbst zu bieten haben und wählen strategisch aus, wer ein geeigneter Partner für sie ist. (Vgl. van Breda 2011)

 

Und für unser eigenes Business? Folgende Punkte sind auch für unser Business wichtig:

  • Ressourcen außerhalb unserer eigenen Systemgrenzen verlagern
  • Starke Kooperationspartner finden
  • Selbst geben können (und wollen)

Wir können uns also auch selbst fragen: Mit wem bin ich gerade verbunden? Wer sind meine starken Partner? Was sind meine Ressourcen im Außen? Und was bin ich bereit zu geben?

 

Falls du gerade noch nicht so gut vernetzt sein solltest, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Nutze Angebote, bei denen du dich mit anderen vernetzen kannst, oder - und auch das kann ich dir nur empfehlen - erstelle selbst ein Vernetzungsangebot für andere. Denn auch das ist wichtig. Es braucht Menschen, die ein Motor der Vernetzung und des Austausches sein wollen. Um dich und dein Business zu stärken, mach dich also auf den Weg in diese Richtung.

 

2. Innovationsfähigkeit

Resiliente Organisationen zeichnen sich durch ihre Innovationsfähigkeit aus. Das bedeutet, dass sie vor allem in Zeiten von Krise - also nicht einfach nur so, sondern vor allem in Zeiten von Krise - innovativ sind. Gerade in Krisenzeiten entwickeln sie Neues. Wenn das nicht mal eine Leistung ist! Natürlich müssen sie dabei auf vorhandene Ressourcen im Innen und im Außen zurückgreifen. Aber - und auch das ist besonders bei ihnen - resiliente Organisationen sind selbst in Krisenzeiten bei Ressourcenverknappung innovativ. (Vgl. Välikangas 2010). 

 

Um diese Innovationsfähigkeit zu erreichen, müssen Ressourcen nicht nur vorhanden sein. Sie müssen auch genutzt und eingesetzt werden. Innovation bedeutet immer Veränderung. Und Veränderung wiederum bedeutet immer auch Investition. Und investiert wird wiederum mit den Ressourcen Zeit und Geld.

 

Gerade in Zeiten von Krise entsteht in Unternehmen häufig die Idee, dass es besser ist, Geld einzusparen. Also die Ressource Geld besser nicht zu nutzen. Genau das tun resiliente Organisationen nicht. Sie investieren weiterhin, trotz Ressourcenverknappung. Sie investieren mit Geld und Zeit. Dadurch wird ihre Erneuerungskraft erst möglich. Dadurch entsteht für sie Innovation. 

 

Was bedeutet das nun für uns Coach*innen, Berater*innen und Trainer*innen? Es zeigt uns: Auch wenn wir in Krise geraten sollten, ist es für uns wichtig, weiterhin zu investieren. Auch dann, wenn wir denken, wir müssten all unsere Ressourcen beisammen halten. Die Investition bleibt wichtig, um bestehen zu bleiben. Und dabei wir können selbst in so viele unterschiedliche Dinge investieren. In einen Kurs, eine Fortbildung, ein Mentoring, in ein Coaching oder in eine Gruppe.

 

Du kannst dich also hierbei fragen Bist du bereit zu investieren, auch wenn sich deine Ressourcen verknappen?" worin möchtest du investieren? Was auch immer es ist, erst durch die Investition wird deine persönliche Innovation - und die Innovation für dein Business - möglich. 

 

3. Optimismus

Der dritte Faktor, der bei resilienten Organisationen besonders ausgeprägt ist, ist Optimismus. Das ist eigentlich ein Faktor, den wir auch von der individuellen und persönlichen Resilienz des Menschen kennen: Eine optimistische Grundhaltung. Diese erlaubt es uns, den Dingen eine positive Bedeutung zu geben. Auch resiliente Organisationen werden in der wissenschaftlichen Literatur als optimistische Systeme beschrieben (vgl. Vogus/Sutcliffe 2007). Damit sind sie in der Lage, auch in Krisen eine positive Grundhaltung bei der Mitarbeitenden aufrechtzuerhalten. 

 

Aber aufgepasst! Das bedeutet nicht, dass resiliente Unternehmen blauäugig in die Welt sehen. Die Mitarbeitenden resilienter Organisationen sind sehr gut in der Lage, Herausforderungen und Krisen wahrzunehmen und als solche anzuerkennen. Und sie besitzen die Fähigkeit, ihre Wahrnehmungen diesbezüglich auch ganz transparent zu kommunizieren. (Vgl. McManus et al. 2008) Allerdings sehen sie trotzdem auch auf die Möglichkeiten, die durch Krise entstehen können. Und sie legen ihren Fokus darauf. Diese Organisationen stellen ihren Mitarbeitenden dabei auch die passenden Rahmenbedingungen bereit, damit diese aktiv an Lösungen arbeiten können. 

 

In resilienten Organisationen werden Störungen und Krisen sehr viel häufiger als Entwicklungsmöglichkeiten definiert. Und durch diese positive Grundhaltung und Deutungsgebung, ermöglichen sie es sich selbst viel schneller Problemlösestrategien zu entwerfen. In den wissenschaftlichen Quellen wird Optimismus daher auch als kognitives Element der Resilienz bezeichnet. Als eine Grundlage der Problemlösehandlungen und -maßnahmen. (Vgl. Lengnick-Hall et al. 2011)

 

Und was bedeutet das für unsere eigene Arbeit als Coach*innen, Berater*innen und Trainer*innen? Auch wenn es für uns nicht immer leicht ist, es ist ebenso wichtig für uns, Krisen als Entwicklungsmöglichkeiten zu definieren. Gerade eine optimistische Grundhaltung hilft uns dabei, weiterzumachen und in Bewegung zu bleiben. Wir können uns in Krisen immer wieder fragen Welche Chance bietet sich darin für mich? Und in welchen Bereichen kann ich mich genau jetzt entwickeln?

 

Für mich persönlich ist gerade dieser Punkt so stark mit den Faktoren Starke Kooperationspartner und Innovation verknüpft. Starke Partner können uns dabei helfen optimistisch zu bleiben. Und unser Optimismus wird es uns wiederum leichter machen, auch in Krisenzeiten in unsere persönliche Innovation zu investieren. 

 

Zum Schluss

Das waren sie schon, die 3 Dinge, die wir von resilienten Organisationen lernen können. Ich mag die so sehr ans Herz legen:

 

  • Verbinde dich ganz bewusst mit anderen. Suche dir starke Kooperationspartner.
  • Investiere gerade auch in Krisenzeiten. Zum Beispiel in ein Coaching, ein Mentoring, eine Fortbildung oder in eine Gruppe.
  • Fokussiere dich ganz stark auf die Dinge, die in Krise möglich werden können. 

 

Einen Faktor habe ich heute zurückgehalten. Und - du kannst es dir sicher schon denken - das ist die Bedeutsamkeit der Visionen. Nicht nur für Unternehmen, sondern auch für uns selbst. Um Visionen wird es in den kommenden Folgen verstärkt gehen. Denn ist gibt so viele gute Gründe für die Arbeit mit Visionen. Dazu aber dann mehr beim nächsten Mal.

 

Bis dahin: Hab eine gute Zeit! 

Deine Christine


Literatur


Breda, van A. D. (2011): Resilient Workplaces. An Initial Conceptualization. In: Families in society: the journal contemporary human services 91 (1). 

 

Gittel, J.H./Cameron, K./Lim, S./Rivas, V. (2006): Relatonships, layoffs, and organizational resilience: Airline indrustrie responses to September 11. In: Journal of Applied Behavioral Science, 42. 

 

Lengnick-Hall, C. A./Beck, T. E./Lengnick-Hall, M. L. (2011): Developing a capacity for organizational resilience through strategic human resource management. In: Humen Resource Management Review, 21 (3). 

 

McManus, S./Seville, E./Vargo, J./ Brunsdon, D. (2008): Facilitated process for improving organisational resilience. In: Natural Hazards Review, 9 (2).

Reinmoeller, P./Van Baardwijk, N. (2005): The Link Between Diversity and Resilience. In: MIT Sloan Management Review 46 (6). 

 

Sutcliffe, K.M./Vogus, T.J. (2003): Organizing for Resilience. In: Cameron, K.S./Dutton, J.E./Quinn, R.E. (Hrsg.): Positive Organizational Scholarship. Foundations of a New Discipline. San Francisco: Berrett-Koehler, S. 94-110.

 

Välikangas, L. (2010): The Resilient Organization: How Adaptive Cultures Thrive Even When Strategy Fails. Finnland: Mc Graw Hill. 

 

Vogus, T.J./Sutcliffe, K.M. (2007): Organizational Resilience: Towards a Theory and Research Agenda. In: Systems, Man and Cybernetics, IEEE, Montreal. 


Christine Neumann

Hi, ich bin Christine Neumann 

systemische Supervisorin und Coachin, Host des Podcasts Die Vision führt uns an!, leidenschaftliche Visionärin und New Workerin. In den sozialen Medien findest du mich bei instagram: @visionscoachin und facebook: @visionscoachin



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