STARKE TEAMS - Woran du erkennst, ob du in einem starken Team arbeitest

Wie Teams Entscheidungen treffen - Eine Methode zur Entscheidungsfindung in Teams


Starke Teams

Woran du erkennst, ob du in einem starken Team arbeitest

von Christine | VISION SESSION-Podcast: Teams und Organisationen entwickeln mit Herz und Vision

Manchmal werde ich gefragt, ob ich nicht schon in den ersten Minuten meiner Arbeit erkennen könne, ob ich es mit einem starken Team zu tun habe. Diese Frage finde ich spannend. Wenn ich mich da so selbst hinterfrage, gibt es da sicherlich Dinge, die mir an den Teams auffallen, mit denen ich arbeite. Und genau darüber möchte ich heute ein bisschen erzählen. 

 

Ja, es gibt sie, diese Indikatoren, die etwas über die Zusammenarbeit in einem Team aussagen und darüber, wie gut sich ein Team bestehenden Herausforderungen anpassen kann. In diesem Sinne wird dann auch häufig von starken Teams gesprochen. Wie schnell sich ein Team oder eine Organisation von Turbulenzen erholt oder diese meistern kann, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. 

 

Wie ist das also mit den starken Teams? Soviel möchte ich schon einmal vorweg nehmen: Nein, ich glaube nicht daran, dass sich in den ersten Minuten der gemeinsamen Zusammenarbeit gleich erkennen lässt, ob ein Team stark ist. Oder sagen wir es so: Ich kann es zumindest nicht in den ersten Minuten erkennen. Dafür spielen auch zu viele Faktoren eine Rolle. Und dann muss ich auch noch zugeben, dass ich eh kein Fan von Diagnosen bin, die Teams oder Führungskräfte gleich in Schubladen verfrachten. 

 

Und trotzdem gibt es eine Sache, auf die ich in meiner Arbeit mit Teams ganz genau achte. Und diese eine Sache kann ein spannender Indikator sein: Die Sprache! Denn mit der Sprache transportieren wir, wie wir die Welt und uns selbst wahrnehmen. Wir beschreiben uns damit, die Organisation, in der wir arbeiten und ebenso auch das Team. Und wenn ich von Sprache als einen Indikator rede, dann meine ich damit, einmal genau hineinzuhorchen, wie die Dinge von den Team-Mitgliedern beschrieben werden. Und dabei achte ich auf ganz bestimmte Begrifflichkeiten. 

 

Ein Begriff, auf den ich tatsächlich in meiner Arbeit mit Teams achte, ist das Wort "Wir".

 

Wie du sicherlich weißt, ist ein starkes Wir-Gefühl in Teams und Organisationen ein sicherer Garant dafür, dass wir uns mit der Organisation verbunden fühlen. Ein starkes Wir-Gefühl committet uns an die Organisation und erhöht die Wahrscheinlichkeit der Arbeitszufriedenheit. Ein starkes Wir-Gefühl vermindert zudem die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns z.B. weg bewerben. In diesem Sinne verhindert eine starkes Wir-Gefühl eine zu hohe Fluktuation. Ja, es verhindert sogar einen erhöhten Krankenstand. Bei einem starken Wir-Gefühl fühlen wir uns mit der Organisation, in der wir arbeiten, verbunden.

 

Neben dem Wir gibt es aber auch Grenzen. Teams und Organisationen neigen dazu Unterschiede zu beschreiben. Und auch das ist sinnvoll. Über die Beschreibung, was ein Team ist und was es nicht ist, wie es ist und wie es nicht ist, was seine Aufgaben sind und was sie nicht sind, unterscheidet es sich von anderen Teams und erhält damit eine eigene Identität. 

 

So, und nun kommt das Spannende: Diese Unterscheidungen und das Wir lassen sich in den Erzählungen der Team-Mitglieder wiedererkennen. Zum Beispiel lässt sich relativ schnell beobachten, wer spricht im Team eigentlich vom Wir? Tun das alle? Oder tun das nur bestimmte Personen? Wie z.B. die Teamleitung? Oder sprechen vielleicht alle nur in der Ich-Form? Auch das gibt es. Da so ein bisschen das Ohr anzulegen, kann also schon sehr spannend sein. 

 

In einem Wir ist häufig alles vereint. Da heißt es häufig unsere Geschäftsführung, unsere Kunden, unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, unsere Ziele, unser Selbstverständnis, unser Team. 

 

Man kann also quasi mal den Fokus darauf legen und einmal nachhören, wer im Team von sogenannten Wir spricht oder lediglich vom Ich. Und ich glaube, das muss ich nun eigentlich nicht mehr erwähnen (und mache es doch): Natürlich macht es einen Unterschied, ob alle, viele oder nur einzelne Personen vom Wir sprechen. 

 

Neben diesem Ausdruck des Wir-Gefühls und der Wir-Beschreibung, können Teams auch dazu neigen, Unterschiede besonders stark zu machen oder auch noch mehr Differenzen zu konstruieren, als aus der Außenperspektive unbedingt notwendig erscheint. Anstelle von dem Wir oder dem Ich kann man dann auch häufiger den Ausdruck Die hören. Die dort oben, die dort unten, die in der oberen Etage, die an der Basis. Und dazu gibt es eine wichtige Regel, die auch aus wissenschaftlichen Untersuchungen abgeleitet werden kann: Je mehr Differenzen ein Team einführt, desto schwächer wird dieses. Durch die Konstruktion von Differenzen können wir ganz viele Kategorien schaffen und diese dann mit Bewertungen füllen. Und dann kann es schwer werden, in dieser stetigen Differenzierung noch das gemeinsame Wir zu finden. 

 

Es gibt aber auch das Phänomen, dass ein kleiner Wir-Anteil gegen die vorgeht. Dann heißt es: Das Team gegen die Leitung, das Team gegen die Ziele, ein Teil des Teams gegen einen anderen Teil des Teams, eine Abteilung gegen eine andere Abteilung. Und da bekommt man schon so eine Ahnung: Wenn diese Unterschiede so erzählt werden, dann können auch leichter Konflikte entstehen. Und wenn ein Team oder eine Organisation dann noch in Turbulenzen gerät, dann kann es bei der stetigen Differenzierung echt schwer werden herauszufinden, wie man nun genau gemeinsam diese Herausforderungen stemmen will. 

 

In meiner Arbeit mit Teams nutze ich das Gehörte natürlich gerne für den Prozess. Also, ich höre nicht nur zu und mache mir dann meine Gedanken, sondern ich öffne sie bewusst für den Prozess. Mir geht es dabei natürlich auch vorrangig darum, erfahren zu wollen, wie das Team zu den Erzählungen steht. Welche Begründungen es beispielsweise für Unterscheidungen und Gemeinsamkeiten gibt und welche Auswirkungen diese haben. Welche Gefühle sie beispielsweise bei den Team-Mitgliedern freisetzen. Und da bin ich dann auch ganz in einer Forscher-Perspektive unterwegs und immer wieder neugierig auf die Erzählungen, aber auch auf die wunderbaren Prozesse, die durch diese Öffnung von Wahrnehmung enstehen.

 

Ja, ich finde es spannend da mal reinzuhören und auch du kannst ja mal lauschen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten da so manches Mal gebildet und erzählt werden. Ich lade dich also ganz herzlich ein, mal das Ohr an dein Team zu legen und den Erzählungen zu lauschen. Und zu entdecken, was da so alles drin sein kann. Vielleicht hörst du was Neues. Vielleicht entdeckst du was Spannendes. Was es auch ist, schreibe mir gerne, wenn du magst oder lasse mir unten im Kommentarfeld einen Kommentar da. Gerne kannst du dich auch mit mir über Facebook oder Instagram verbinden. 

 

Ich freue mich von dir zu hören.

Bis dahin, hab' eine spannende Zeit! 



Deine Coachin: Christine Neumann

Systemische Supervisorin und Coachin | NEW WORKER | Solopreneur | 

Visionärin | Instagram: visionscoachin | Facebook: visionscoachin | 


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Kommentare: 2
  • #1

    Daniela (Freitag, 05 April 2019 23:33)

    War mal wieder interessant! Vielen Dank =)

  • #2

    Christine (Samstag, 06 April 2019 10:07)

    Vielen Dank, Daniela!