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Wie dir Veränderung gelingt - 3 Voraussetzungen für erfolgreiche Veränderungsprozesse

Christine | VISION SESSION | Die Vision führt uns an  - Der Podcast für visionäre Team- und Organisationsentwicklung

Wie gelingt eigentlich Veränderung? Veränderungen gehören für uns Coaches, Berater*innen und Trainer*innen zum Tagesgeschäft. Wenn du mal so schaust: Wie viele deiner Coaching- und Beratungsaufträge handeln zentral vom Thema Veränderung? Ich kann mir vorstellen, dass es viele sind. Wir könnten uns auch fragen, wann es mal nicht um Veränderung geht. Und ob sie nicht etwas Natürliches und Allgegenwärtiges ist.

 

Trotz ihrer Allgegenwart kann es durchaus hilfreich sein, Veränderungen ganz bewusst anzugehen und zu planen. Gerade dann, wenn es um neue Projekte, Strukturen oder Routinen geht. 

 

An Veränderungsprozesse werden häufig Erwartungen und Wünsche geknüpft. Und diese werden in der Beratung von Coachees und Teams auch recht schnell kommuniziert. Was neben all den Erwartungen und Wünschen aber ebenso wichtig ist, sind die Voraussetzungen, die zum Gelingen von Veränderungen beitragen. Unberücksichtigt können die nämlich für zu echten Stolpersteinen werden.

 

Bevor wir also mit unseren Coachees, mit all den Führungskräften, Teams, Unternehmen - oder auch mit uns selbst - in diese Veränderungsprozesse einsteigen, ist es hilfreich und wirksam zugleich, diese Voraussetzungen zu kennen. Natürlich auch, um sie gleich zu Beginn klar kommunizieren zu können. 

 

Bei diesen Voraussetzungen geht es nicht unbedingt um das Bestimmen von Richtungen oder um die Herausarbeitung von Visionen. Sicherlich spielen hierbei auch Visionen eine Rolle. Und doch gibt es spezifische Gelingensbedingungen, die absolute Basics sind. Ohne die Erfüllung dieser Bedingungen bringt uns auch die Arbeit an und mit Visionen nicht weiter.

 

3 Voraussetzungen sind dabei absolut zentral. Und die schauen wir uns jetzt einmal genauer an.

 

Übrigens, wenn du in die Podcast-Folge reinlauschen magst, erfährst du auch von meinen ganz persönlichen Stolpersteinen zum Thema Veränderung. Ich hatte zwischendurch die Gelingensbedingungen für Veränderung aus den Augen verloren (ja, auch einer ausgebildeten Coachin kann das passieren!)  und mich mächtig verrannt. Also: Lehrreiche Impulse gibt es für dich zusätzlich in der Folge. 

#1 Investieren

Zu dieser Bedingung für Veränderung gibt es richtig interessante Studien, die darauf hinweisen, dass lediglich ein Drittel aller Veränderungsprozesse in Unternehmen erfolgreich sind (vgl. Shin et al. 2012). Im Umkehrschluss heißt das, dass zwei Drittel aller Veränderungsprozesse scheitern. Das ist ein hoher Anteil, wie ich finde und bedeutet, dass Unternehmen zum Beispiel zu ihrem altbekannten Weg zurückkehren und sich das Neue nicht durchsetzen konnte. 


Wie dir Veränderung gelingt

Ein Faktor, der in diesen Teams und Unternehmen nicht berücksichtigt wurde, war die Investition. Denn eine wesentliche Voraussetzung für Veränderung ist, dass wir in diese erst einmal investieren. Und Investition bedeutet immer Zeit und Geld.

 

Die Unternehmen, die diesen Faktor außer Acht gelassen hatten, waren davon ausgegangen, dass die angestrebten Veränderungen noch on top von den Mitarbeitenden zu stemmen seien. Und sie lagen damit falsch! Dieser Gedanke ist aus meiner Erfahrung recht häufig im Coaching und in der Team- und Organisationsentwicklung vertreten. Oft existiert hier die Erwartung, dass Veränderungen ohne die Bereitstellung von Zeit und Geld zu bewerkstelligen ist.


Dadurch wird Veränderung jedoch zu einer enormen Belastung. Schauen wir uns die Investitionen einmal genauer an.

 

Da gibt es die Investition Zeit: Wir Menschen brauchen Zeit, um uns erst einmal mit den Neuerungen auseinanderzusetzen. Dafür müssen erst einmal Freiräume geschaffen werden. Freiräume im Arbeitsalltag und in den Arbeitsabläufen. In diesen Freiräumen kann das Neue angeschaut, erprobt, reflektiert und modifiziert werden. 

 

Und die Investition Geld: Diese Freiräume müssen auch finanziert werden. Die Auseinandersetzen und das Erproben von Neuerungen ist etwas, das nicht in der Freizeit der Mitarbeitenden oder in ihrer Mittagspause geschehen sollte. In Unternehmen und Betrieben gibt es zu diesem Punkt häufig Bedenken. Denn durch diese finanzierten Freiräume wächst nicht unbedingt der Umsatz. Nein, wahrscheinlicher ist es, dass er stagniert oder sogar sinkt. Das Tempo von Wachstum und Expansion wird gedrosselt. Geld und Zeit sind hier also eng miteinander verknüpft.

 

Wenn du mit Menschen an Veränderungen arbeitest - ganz egal in welchem Kontext - dann frag im besten Fall gleich zu Beginn, was dein Gegenüber überhaupt bereit ist zu investieren. Denn sonst begleitest du einen Veränderungsprozess, der nur in Belastung mündet und leider nicht gelingen kann. 

 

Diese Voraussetzung der Veränderung ist auch für uns selbst als Menschen, als Coaches und Berater*innen ein wichtiger Punkt. Auch wir können uns fragen, wann wir für unser Wachstum und für unsere ganz persönlichen Veränderungen investieren.

 

Und jetzt mal ganz konkret: Was bist du bereit zu investieren? 

 

#2  Abschied nehmen von Ausgedientem


Eine weitere Voraussetzung, die zum Gelingen von Veränderung beiträgt, ist das Abschiednehmen von Ausgedientem. Ein Bild dazu: Das Neue können wir uns als einen Gast vorstellen. Damit dieser Gast auch tatsächlich gerne zu uns kommt und einen angemessen Platz bei uns findet, ist es dringend notwendig, dass wir diesen Platz auch für ihn schaffen

 

Im Coaching schauen wir mit dem Coachee ja gerne darauf, was sich überhaupt verändern soll. Das ist eigentlich eine leichte Übung. Wenn wir schlau vorgehen, schauen wir zudem auch auf die bewahrenswerten Punkte. Also auf all die Dinge, die bleiben dürfen wie sie sind. Damit schaffen wir Wertschätzung für das bisher Geleistete. Auch kann diese Fokussierung die Angst vor Veränderungen minimieren, da deutlich wird, dass nicht alles über Bord geworfen wird und wichtige Sicherheiten nicht verloren gehen. Das Thema Veränderung kann ein wenig kleiner und überschaubarer werden. 

 

Ein ebenso wichtiger Punkt ist jedoch auch, ganz konkret Dinge loszulassen, die nicht mehr dienlich sind. Also bewusst Platz zu schaffen. Neben all den Fragen danach, was verändert werden soll und was bewahrt werden darf, ist es unglaublich hilfreich auch danach zu fragen, was losgelassen werden will. Wovon Abschied genommen werden kann.

 

Denn wir müssen mit manchen Routinen aufhören, damit wir neue etablieren können. 

 

In der Beratung und im Coaching können wir also ganz bewusst darauf achten, den Coachee oder das  Team danach zu fragen, wovon sie sich verabschieden mögen, damit mehr von dem Neuen getan werden kann. 

 

Aber Achtung! Hierbei gibt es noch einen wichtigen Faktor zu berücksichtigen: Bei dem Abschiednehmen von Ausgedientem geht es nicht um Faktoren wie Erwartungen oder Wünsche. Um Platz zu schaffen geht es immer um das Abschiednehmen von konkreten Handlungen, Routinen, Strukturen und Arbeitsabläufen. 

#3  Ungewissheit aushalten

Im besten Fall haben wir jetzt also Platz geschaffen. Was wir an dieser Stelle aber nicht vergessen dürfen: Das Neue ist noch keine neue Sicherheit geworden. Neue Handlungen und Routinen sind erst einmal wie ein Experiment zu verstehen. Und wir wissen nicht, ob es auf Anhieb gelingt. Sehr wahrscheinlich wird es nicht so sein. In der Zeit des Experimentierens kann es Lektionen geben. Es können sich Dinge offenbaren, die verbessert und nachjustiert werden wollen. Es kann sehr gut sein, dass viele Lern- und Feedbackschleifen entstehen, bis das Neue eine neue Sicherheit wird und sich auszahlt.

 

Bis das aber eintritt bleibt Ungewissheit. Einen schönen Spruch gibt es dazu, der da lautet:

 

 

Loslassen heißt einen Moment den Halt zu verlieren. 

 

 

Bei diesem Spruch denke ich immer wieder, wie stimmig er für all die Veränderungsprozesse ist, die wir begleiten oder auch persönlich erleben. Nach dem Abschiednehmen von Ausgedientem gibt es nicht sofort neue Sicherheiten. Es entsteht ein Dazwischen. Führungskräfte, Teams und Unternehmen, bewegen sich zwischen alten und neuen Sicherheiten. Und in diesem Dazwischen ist Ungewissheit, die ausgehalten werden will.

 

In Unternehmen zeigt sich: Wenn diese Unsicherheiten nicht ausgehalten und getragen werden, wenn es keine Bereitschaft dafür gibt in diese Ungewissheiten zu gehen, dann kann Veränderung nicht gelingen. Dann greifen Teammitglieder, Führungskräfte - oder ganz egal, welche Person zu gerade begleitest - schnell wieder auf altbekannte und ausgediente Routinen zurück. Auf all die Routinen, die ja eigentlich verabschiedet werden wollten.

 

Von daher ist es so hilfreich für den Prozess, dass wir klar an unsere Coachees kommunizieren, dass dieser Zeitpunkt der Ungewissheit kommen wird. In diesem Zusammenhang können wir z.B. erfragen, welche Erfahrungen bisher im Umgang mit Ungewissheiten gesammelt werden konnten und wie hoch die Bereitschaft ist, diese ungewissen Zeiten auszuhalten. 

 

Denn eins ist klar: Gerade in Zeiten von Ungewissheit werden die ängstlichen Stimmen lauter. Und Menschen benötigen gute Kompetenzen und Fähigkeiten, um liebevoll mit diesen ängstlichen Stimmen zu sein und trotzdem weiterzugehen.

 

Und je klarer es schon vor dem Prozess ist, dass die Zeit der Ungewissheit kommen wird und die ängstlichen Stimme ihre Aufmerksamkeit verlangen werden, umso bessere Voraussetzungen haben wir, damit Veränderung gelingt. 

 

Ausblick

Das waren sie, die Voraussetzungen für gelingende Veränderung: Investieren, Abschied nehmen von Ausgedientem und Unsicherheiten aushalten. In der kommenden Folge habe ich ein wunderbares Interview für dich mit Anja Kässner von Workshopmacher. Anja wird uns von ihren Veränderungsprozessen erzählen. Und - so viel kann ich schon mal verraten - die 3 Voraussetzungen wirst du hierbei wiederfinden und natürlich viele weitere Impulse, die du für deine Praxis nutzen kannst. Denn im Zuge des Interviews wird es auch um eine besondere Methode gehen, die dabei hilft, sich auf den Weg zu machen

 

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Ich freue mich auf dich! 

Christine 



Literatur

Shin, J./Taylor, M.S./Seo M-G. (2012): Resources for chance. The relationships of organizational inducements and psychological resilience to employees’ attitudes and behaviors toward organizational Change. In: Academy of Management Journal, 55 (3), S. 727-748.  


Christine Neumann

Hi, ich bin Christine Neumann 

systemische Supervisorin und Coachin, Host des Podcasts Die Vision führt uns an!, leidenschaftliche Visionärin und New Workerin. In den sozialen Medien findest du mich bei instagram: @visionscoachin und facebook: @visionscoachin



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